Wolle und Seide (Tierfasern) mit Alaun beizen
Wolle und Seide sind Proteinfasern und nehmen Naturfarben wunderbar an, sobald sie gebeizt sind. Beizen bedeutet, die Faser mit einem Metallsalz, meist Alaun, zu behandeln, damit sich der Farbstoff an sie bindet und die Farbe Wäsche und Licht übersteht. Diese Anleitung zeigt Schritt für Schritt, wie Sie Wolle und Seide mit Alaun und Weinstein beizen.
Was Sie brauchen
- Alaun (Kaliumaluminiumsulfat): 10–15 % WOF
- Weinstein: 5–7 % WOF (optional, hält aber die Wolle weich und die Farben leuchtend)
- Einen Edelstahltopf, der nur zum Färben dient, ein Thermometer, ein Glas und einen Holzlöffel
- Handschuhe und eine Staubmaske
% WOF bedeutet Prozent vom Trockengewicht der Faser. Für 100 g Wolle 10–15 g Alaun und 5–7 g Weinstein verwenden.
Schritt 1: Die Faser waschen und wiegen
Die Faser sanft in warmem Wasser mit etwas pH-neutraler Seife waschen, um Schmutz und Öle zu entfernen, dann spülen. Vorher trocken wiegen, damit Sie die Beize berechnen können. Die Faser bis zum Beizen nass halten.
So beizen Sie Wolle
- Alaun und Weinstein in einem Glas in heißem Wasser auflösen.
- Den Topf mit so viel warmem Wasser füllen, dass die Wolle bedeckt ist, und die gelöste Beize einrühren.
- Die nasse Wolle zugeben und sanft unter Wasser drücken.
- Langsam auf etwa 80 °C (180 °F) erhitzen. Plötzliche Temperaturwechsel und zu viel Rühren vermeiden, sonst kann die Wolle verfilzen.
- Etwa eine Stunde bei dieser Temperatur halten, dann die Hitze abschalten und die Wolle mindestens 12 Stunden oder über Nacht im Bad abkühlen lassen.
- Die Wolle herausheben, in Wasser gleicher Temperatur spülen und das Wasser sanft ausdrücken. Nicht auswringen.
- Sofort färben oder ohne direkte Sonne trocknen und vor dem Färben wieder anfeuchten.
So beizen Sie Seide
Seide wird genauso gebeizt, aber bei niedrigerer Temperatur, denn Hitze kann ihren natürlichen Glanz trüben.
- Alaun und Weinstein in heißem Wasser auflösen und in einen Topf mit warmem Wasser geben.
- Die nasse Seide zugeben und sanft umrühren.
- Langsam auf etwa 70 °C (160 °F) erhitzen, dann die Hitze abschalten.
- Die Seide mindestens 12 Stunden oder über Nacht im Bad lassen.
- Spülen, das Wasser sanft ausdrücken, ohne zu wringen oder zu verdrehen, und färben oder trocknen.
Kaltbeize
Sie können Wolle und Seide auch ohne Hitze beizen: Alaun und Weinstein auflösen, mit der Faser in einen Eimer mit zimmerwarmem Wasser geben und ein bis drei Tage stehen lassen. Das schont die Fasern und spart Energie.
Nächster Schritt: Färben
Mit Alaun gebeizte Wolle und Seide ergeben mit fast jeder Naturfarbe kräftige Farben. Probieren Sie Krapp für Rot, Färberwau für Gelb oder Granatapfel für Goldtöne. Tipps für Seide finden Sie unter Seide mit Naturfarben färben.
Häufige Fragen
Warum Weinstein zugeben?
Er hilft dem Alaun, sich gleichmäßig zu binden, hält Wolle weich und ergibt leuchtendere Farben. Lesen Sie unseren Ratgeber zu Weinstein.
Kann ich zu viel Alaun verwenden?
Ja. Zu viel Alaun kann Wolle klebrig oder rau machen. Bleiben Sie bei 10–15 % WOF.
Kann ich das Beizbad wiederverwenden?
Ja. Für die nächste Partie mit etwa der Hälfte der ursprünglichen Alaunmenge auffrischen.
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