Bundle-dyed silk shawl with orange and rust plant prints

Ecoprint-Ratgeber: Pflanzendrucke auf Seide, Wolle und Baumwolle

Ecoprint ist eine Methode, echte Blätter und Blüten auf Stoff zu drucken. Sie legen Pflanzen auf gebeizten Stoff, rollen ihn fest zu einem Bündel und dämpfen ihn. Gerbstoffe und Pigmente der Blätter wandern in die Faser und hinterlassen einen Abdruck jedes Blattes, oft mit jeder einzelnen Ader. Die Technik heißt auch botanischer Kontaktdruck oder Bundle-Druck.

Diese Ecoprint-Anleitung behandelt Stoffwahl, Beizen, die Eisendecke, gut druckende Blätter und Dämpfzeiten für Seide, Wolle und Baumwolle. Alle Rezepte verwenden % WOF (vom Trockengewicht der Faser, also dem trockenen Gewicht Ihres Stoffs).

Ecoprint und Bundle-Färben im Vergleich

Die beiden sind eng verwandt. Beim Ecoprint kommt die Farbe aus frischen oder getrockneten Blättern und Blüten. Beim Bundle-Färben streuen Sie Farbpulver oder ganze Färbesamen auf den Stoff und rollen ihn genauso auf. Beides lässt sich in einem Bündel kombinieren. Unser Bundle-Färbeset ist ein einfacher Einstieg mit Farbstoffen, und unsere Anleitung zum Bundle-Färben von Peace Silk mit Krapp und Gelbbeeren zeigt die Methode mit Farbpulver Schritt für Schritt.

Was Sie brauchen

  • Stoff aus Naturfaser: Seide, Wolle oder Baumwolle/Leinen (siehe unten)
  • Alaun zum Beizen; für Baumwolle und Leinen zusätzlich einen Gerbstoff wie weißes Gallapfelpulver
  • Eisensulfat für die Eisendecke oder zum Eintauchen der Blätter
  • Blätter und Blüten
  • Einen Holzstab, ein Kupfer- oder PVC-Rohr zum Aufrollen und kräftige Baumwollschnur
  • Einen großen Topf mit Deckel und Dämpfeinsatz, nur zum Färben verwendet
  • Plastikfolie oder Backpapier als Trennschicht sowie Handschuhe

Den Stoff wählen

  • Seide ergibt die leuchtendsten, schärfsten Drucke. Sie ist der einfachste Stoff für Einsteiger.
  • Wolle druckt tief und satt, plötzliche Temperaturwechsel müssen aber vermieden werden, damit sie nicht verfilzt.
  • Baumwolle und Leinen sind schwieriger. Sie brauchen zuerst Gerbstoff und Alaun, und die Drucke sind oft zarter. Probieren Sie unseren ungefärbten Baumwollstoff oder ungefärbten Stoff als Meterware.

Jeden Stoff zuerst vorwaschen, um Öle und Appreturen zu entfernen. Siehe Fasern und Stoffe fürs Pflanzenfärben vorbereiten.

Schritt 1: Den Stoff beizen

Eine Beize ergibt klarere, haltbarere Drucke. Den Stoff beizen, trocknen lassen und vor dem Drucken wieder anfeuchten. Mit unserem WOF-Rechner können Sie die Mengen berechnen.

Seide und Wolle

Alaun zu 10–15 % WOF verwenden (mit 10 % beginnen). Wolle verträgt zusätzlich 6–7 % Weinstein. Vollständige Methode: Wolle und Seide beizen.

Baumwolle und Leinen

Zuerst ein Gerbstoffbad (Gallapfel zu 8–15 % WOF), dann Alaun zu 12–15 % WOF mit etwa 1,5–2 % Soda. Vollständige Methode: Baumwolle und Leinen beizen. Unser Beizset für Baumwolle und Leinen enthält alles Nötige.

Tipp: Ein gerbstoffreicher Stoff plus Eisendecke ergibt dunkle Konturen. Ein nur mit Alaun gebeizter Stoff zeigt mehr von der Eigenfarbe des Blattes.

Schritt 2: Eine Eisendecke herstellen (optional)

Eine Eisendecke ist ein Stück dünner Baumwollstoff, das in Eisenwasser getränkt wurde. Sie legen es vor dem Aufrollen über die Blätter. Eisen reagiert mit den Gerbstoffen der Blätter und ergibt dunkle, scharfe Konturen und einen grauen bis schwarzen Hintergrund.

  1. Eisensulfat in warmem Wasser auflösen. Mit etwa 1–2 g pro Liter beginnen (rund 1/4 Teelöffel pro Liter).
  2. Das Deckentuch einige Minuten einweichen.
  3. Gut auswringen. Es soll feucht sein, nicht tropfen.

Bei dünner Seide weniger Eisen verwenden. Zu viel Eisen ergibt stumpfe, dunkle Drucke und kann die Faser schwächen. Statt einer Decke können Sie die Blätter auch 10–30 Minuten in eine schwache Eisenlösung tauchen. Das ergibt eine weichere Kontur. Mehr über Eisen in unserem Ratgeber zur Eisenbeize.

Tipp: Eisen verbreitet sich überall. Halten Sie eigene Werkzeuge und Eimer für Eisen bereit.

Blätter, die gut drucken

Blätter mit viel Gerbstoff oder Pigment drucken am besten. Die Ergebnisse ändern sich mit Jahreszeit, Baum und Wasser, deshalb zuerst testen.

Pflanze Typischer Druck Am besten auf
Eukalyptus Orange, Rost, Rotbraun Seide, Wolle
Perückenstrauch (Cotinus) Gelb, Grün, Violett Seide, Wolle
Ahorn Gold, Grün; manche Rotahorne ergeben Blauviolett Alle Fasern
Rosenblätter Grün bis Dunkelgrün, detaillierte Adern Alle Fasern
Eiche Braun; mit Eisen Schwarz Alle Fasern
Sumach Kräftiges Goldbraun; mit Eisen dunkel Alle Fasern
Walnuss Kräftiges Braun Alle Fasern
Zwiebelschalen Leuchtend orange-goldene Flecken Alle Fasern
Ringelblume, Mädchenauge, Storchschnabel Gelb, Orange Seide, Wolle

Die Blattunterseite druckt oft kräftiger als die Oberseite, weil die Adern hervortreten. Getrocknete Blätter funktionieren auch. Vor der Verwendung einige Minuten in warmem Wasser einweichen.

Tipp: Etwas Zwiebelschale oder Krappwurzel-Pulver zwischen die Blätter streuen, um den Hintergrund zu färben.

Schritt 3: Auslegen und das Bündel aufrollen

  1. Den feuchten, gebeizten Stoff flach ausbreiten.
  2. Die Blätter auf einer Hälfte anordnen, einige mit der Oberseite nach oben, einige nach unten.
  3. Die andere Hälfte über die Blätter falten oder die Eisendecke darauflegen.
  4. Eine Trennschicht aus Plastik oder Backpapier einlegen, wenn die Drucke nicht auf die nächste Lage durchgehen sollen.
  5. Den Stoff sehr fest um den Stab oder das Rohr rollen. Enger Kontakt ist der Schlüssel zu scharfen Drucken.
  6. Alle 2–3 cm (etwa 1 Zoll) fest mit Schnur abbinden, dann weitere Schnur entlang der Rolle wickeln.

Schritt 4: Das Bündel dämpfen oder köcheln

Beim Dämpfen bleibt das Bündel außerhalb des Wassers. So bleiben die Drucke scharf und die Farben laufen nicht. Köcheln in einem Farbbad ergibt einen farbigen Hintergrund und weichere Kanten. Beides funktioniert.

Stoff Dämpfzeit Köchelzeit
Seide 60–90 Minuten 45–60 Minuten, unter 85 °C (185 °F)
Wolle 60–90 Minuten 60 Minuten, sanft köcheln, nicht kochen
Baumwolle, Leinen 90–120 Minuten 90–120 Minuten

In der Praxis werden Zeiten von etwa 1 bis 3 Stunden genannt, betrachten Sie diese Werte also als Ausgangspunkt. Alle 20–30 Minuten das Wasser prüfen, damit der Topf nie trocken kocht. Deckel oder Bündel bei Bedarf beschweren.

Tipp: Für einen farbigen Hintergrund das Bündel in einem leichten Bad aus Krapp, Zwiebelschalen oder Granatapfelschale köcheln.

Schritt 5: Ruhen lassen, öffnen und nachreifen

  1. Die Hitze abschalten und das Bündel im Topf abkühlen lassen.
  2. Viele lassen das Bündel über Nacht oder einige Tage geschlossen. Das kann die Drucke vertiefen.
  3. Aufrollen und die Blätter entfernen. Lose Reste abschütteln.
  4. Den Stoff im Schatten zum Trocknen aufhängen. Vor dem Waschen einige Tage ruhen lassen.
  5. Sanft in kühlem Wasser spülen, dann mit pH-neutraler Seife waschen. Im Schatten trocknen.

Sicherheit

  • Töpfe und Werkzeuge nur zum Färben verwenden, nie für Lebensmittel.
  • In einem gut belüfteten Raum arbeiten. Manche Blätter wie Sumach und Eukalyptus geben starke Dämpfe ab.
  • Nur Pflanzen verwenden, die Sie sicher bestimmen können. Giftpflanzen meiden.
  • Beim Umgang mit Eisenwasser Handschuhe tragen.

Fehlerbehebung

  • Drucke sind unscharf: Das Bündel war zu locker oder Wasser ist eingedrungen. Fester rollen, mehr abbinden und über dem Wasser dämpfen.
  • Alles ist grau oder schwarz: Zu viel Eisen. Das Eisenwasser verdünnen oder die Decke weglassen.
  • Sehr blasse Drucke auf Baumwolle: Baumwolle braucht zuerst Gerbstoff und Alaun. Länger dämpfen und gerbstoffreiche Blätter wie Eiche, Sumach oder Ahorn probieren.
  • Blätter hinterlassen nur einen Schatten: Manche Blätter haben wenig Farbe. Herbstlaub druckt oft schwächer, als es aussieht. Blätter einzeln testen.
  • Wolle ist verfilzt: Das Bündel ging zu schnell von heiß zu kalt oder hat gekocht. Langsam im Topf abkühlen lassen.
  • Drucke sind ausgewaschen: Der Stoff war nicht gebeizt oder wurde zu früh gewaschen. Zuerst beizen und die Drucke vor dem Waschen ruhen lassen.

Häufige Fragen

Brauche ich für Ecoprint eine Beize?

Nicht immer, aber sie hilft sehr. Gebeizter Stoff ergibt klarere, leuchtendere und waschechtere Drucke. Alaun für Seide und Wolle, Gerbstoff plus Alaun für Baumwolle und Leinen.

Wie lange sollte ich ein Ecoprint-Bündel dämpfen?

Mit 60–90 Minuten für Seide und Wolle und 90–120 Minuten für Baumwolle und Leinen beginnen. Dann das Bündel langsam abkühlen lassen, bevor Sie es öffnen.

Was ist eine Eisendecke beim Ecoprint?

Ein Tuch, das in schwachem Eisenwasser getränkt und über die Blätter gelegt wird. Eisen reagiert mit den Gerbstoffen der Blätter und ergibt dunkle Konturen und einen grauen Hintergrund.

Welcher Stoff eignet sich am besten für Ecoprint?

Seide ist am einfachsten und ergibt die leuchtendsten Drucke. Wolle ergibt tiefe Farben. Baumwolle und Leinen funktionieren, brauchen aber zuerst Gerbstoff und Alaun.

Quellen und weiterführende Literatur

Passend dazu: Bundle-Färbeset · Anleitung: Bundle-Färben mit Krapp und Gelbbeeren · Beizen fürs Pflanzenfärben

Zurück zum Blog

Hinterlasse einen Kommentar

Bitte beachte, dass Kommentare vor der Veröffentlichung freigegeben werden müssen.